„Wir kommen nicht umhin, bisherige Strukturen zu hinterfragen und unsere Prozesse effizienter zu gestalten“

Interview der -markt & wirtschaft westfalen-

Hans-Werner Luckey, geschäftsführender Gesellschafter der Luckey GmbH, über die Notwendigkeit, Geschäftsprozesse zu verändern und welchen Mehrwert der Kunde davon hat.

Hans-Werner Lucky nimmt ein Angebot des Projektes Business 4.0 wahr. markt & wirtschaft hat zwei teilnehmende Unternehmer nach ihrer Motivation, ihren Erwartungen und ihrem Nutzen gefragt.

Herr Luckey, vor welchem Hintergrund bzw. aus welcher Notwendigkeit heraus, haben Sie sich mit dem Thema Digitalisierung der Geschäftsprozesse beschäftigt?

Hans-Werner Luckey: In den letzten Jahren sind die Anforderungen an das Prozessmanagement rasant gestiegen. Uns war klar, wenn wir unsere Wettbewerbsfähigkeit dauerhaft halten möchten, kommen wir nicht umhin, bisherige Strukturen zu hinterfragen und unsere Prozesse effizienter zu gestalten. Mit verschiedenen Softwareprogrammen wie Microsoft, einer CRM- und Controlling- sowie einer technischen Lösung kann das langfristig nicht gelingen. Diese Insellösungen arbeiten nicht vernetzt, so dass zum Beispiel dieselben Daten für die einzelnen Programme mehrfach von Hand erfasst oder verändert werden müssen.

Bevor man jedoch beginnt, Bestehendes zu verändern, ist es ratsam, die Ziele genau zu definieren und festzulegen, wohin die Reise gehen soll. Nur wer den Blick für das große Ganze hat, ist in der Lage die richtigen Impulse zu setzen.

Was waren Ihre primären Ziele, die Sie durch die Teilnahme am Veranstaltungsformat erreichen wollten?

Luckey: Die Teilnahme war für uns eine gute Gelegenheit, nicht nur handfeste Informationen zum Thema Digitalisierung zu bekommen, sondern auch den Austausch mit anderen Unternehmen und Branchen zu pflegen. Zu wissen, was andere hier bereits tun und welche Erfahrungen sie gemacht haben, halte ich für sehr wichtig.

Welche Erkenntnisse haben Sie durch die Veranstaltung gewonnen und wie möchten Sie diese in die Praxis umsetzen?

Luckey: Der regelmäßige Austausch und der gemeinsame Blick über den Tellerrand hat vor allem die Erkenntnis gebracht, dass wir auf dem richtigen Weg sind, jedoch gefordert sind, hier noch weitere Aktivitäten in Richtung Digitalisierung einzuleiten.

Mir ist auch deutlich geworden, dass wir an so einem ähnlichen Punkt schon einmal standen: Vor Jahren hatten wir in unserem Handwerksbetrieb ausschließlich Einzelmaschinen im Einsatz, später folgten mehrere CNC-Maschinen – das war damals ein großer Schritt, der notwendig war, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Heute stehen wir wieder an einem Wendepunkt: Wenn wir jetzt nichts tun handeln, dann besteht die Gefahr, in einigen Jahren abgehängt zu werden. In der Produktion konnten wir bereits erste Veränderungen vornehmen, in dem wir zum Beispiel komplett papierlos arbeiten. An den Arbeitsplätzen haben Touch Screen-Bildschirme Einzug gehalten, an denen sich die Mitarbeiter jederzeit über den kompletten Auftrag informieren können, was sich bereits in einem besseren Informationsfluss und weniger Rückfragen in der Arbeitsvorbereitung bemerkbar macht.    

Investiert haben wir zudem in einen 3-D-Scanner zur Aufnahme von Rohbau-Daten, der unsere Arbeit auf den Baustellen beschleunigt. Das Laser-Gerät generiert ein 3-D-Abbild des Baukörpers, das dann als CAD-Datei am Rechner für die weitere Planung zur Verfügung steht.

Hieraus könnte sich ein neuer Geschäftsbereich entwickeln, in dem wir bestimmten Zielgruppen aus dem Baugewerbe, Maschinenbau oder Denkmalschutz diese Lösung anbieten und diese so von einer nachhaltigen Erleichterung ihrer Arbeit profitieren.   

Wo bzw. in welchen Unternehmensbereichen müssen Sie noch mehr investieren (z.B. IT, Qualifizierung der Mitarbeiter etc.)?

Hans-Werner Luckey: Erste Schritte in der Vernetzung unserer Insellösungen wollen wir in Kürze mit der Investition in ein ERP-System umsetzen.  

Das reicht jedoch allein noch nicht aus. Auch in Hardware und in die Qualifizierung der Beschäftigten müssen wir weiter investieren. Gerade die Personalentwicklung ist ein permanent wichtiges Thema. Neben den klassischen Aspekten, wie die Mitarbeitermotivation, gewinnt nun auch die Auseinandersetzung mit digitalen Fragen und der kompetente Umgang mit der IT eine entscheidende Bedeutung.

Unsere junge Belegschaft, die wir in den letzten Jahren durch eigene Ausbildung rekrutiert haben, ist dieser Thematik sehr aufgeschlossen.

Wie können Ihre Kunden von der digitalen Neuausrichtung profitieren?

Hans-Werner Luckey: Der Nutzen für die Kunden ist vielfältig: Sie profitieren insgesamt von einer professionelleren Abwicklung ihrer Aufträge. Durch das digitale Aufmaß sind wir in der Lage, die Prozesse besser und komplett abzubilden, so dass der Auftraggeber seine Baustelle virtuell im Blick hat.

Außerdem sind wir sicherer und zuverlässiger in der Materialdisposition-Abwicklung, was sich auch in der Verfügbarkeit von Baumaterial niederschlägt. Die hier oft üblichen Improvisationen gehören damit der Vergangenheit an. 

Ein übernächster Schritt ist die Ausstattung der Mitarbeiter auf den Baustellen mit Tablets, so dass sie vor Ort auf alle wichtigen relevanten Daten im Unternehmen  zugreifen können.

Kontext

Im Jahr 2000 hat Hans-Werner Luckey die Luckey GmbH gegründet. Der geschäftsführende Gesellschafter leitet das Metallbau-Unternehmen mit den Schwerpunkten Wintergärten und Terrassenüberdachungen, Carports, Haustüren und Markisen. Ein weiteres Geschäftsfeld ist der Gewerbebau, hier entstehen Aluminium-Glasfassaden, Fenster und Eingangsbereiche. In dem Familienbetrieb am Standort Bad Wünnenberg arbeiten 40 Beschäftigte.

Weitere Informationen: www.luckey-online.de

Text und Redaktion: Christiane Peters, www.mawi-westfalen.de

Ansprechpartner
Ulrike Künnemann
InnoZent OWL e.V., Projektleiterin Business 4.0
T 05251 8794-695