Tablet-PC erleichtert Betreuung von Menschen mit Demenz

Mit der Alterung der Bevölkerung steigt die Nachfrage nach professioneller Pflege zeitgleich mit dem Mangel an Pflegefachkräften. Diese Entwicklung betrifft auch Menschen mit Demenz. Das Demenz-Servicezentrum der Region OstWestfalenLippe möchte Betreuungspersonen nun mit Hilfe eines Tablets entlasten.

Leiterin Helga Reinisch (li.) und Marcus Heumann (re.) zeigen Marcella Ranft die Funktionen des Tablets
Das Webinar erklärt die Anwendung eines Tablet-PCs bei der Betreuung von Demenzerkrankten
Ein Tablet-PC ist vielseitig einsetzbar: Musik, Bilder und Spiele kann man schnell und flexibel abrufen (Quelle: pixabay)

Neben einer fachgerechten Pflege ist die (psycho-)soziale Betreuung von Menschen mit Demenz von großer Bedeutung. Die Freude darüber, Erinnertes wiederzufinden, vertreibt bei Demenzerkrankten das vorrangige Gefühl von Verlust, Angst und Unsicherheit. Die Betreuungsperson muss dafür eine große Angebotspalette mitbringen und sich täglich flexibel auf die Bedürfnisse und Biographie des jeweiligen Menschen einlassen.

Der sperrige Materialkoffer soll zukünftig durch ein handliches Tablet ersetzt werden, das Bilder, Geschichten, Lieder und Spiele schnell, flexibel und individuell bereitstellt. Die Idee kam Marcus Heumann, Masterstudent „Public Health“ an der Universität Bielefeld, gemeinsam mit der Leiterin des Demenz-Servicezentrums Region OWL Helga Reinisch und dem Mitarbeiter Reinhard Fukerider, bei seinem sechswöchigen Praktikum. „In Berlin ist der Einsatz von Tabletts bei Demenzerkrankten bereits vor einigen Jahres getestet worden. Auf diesen Bericht haben wir unser Projekt aufgebaut“, berichtet der Student. Zu Beginn machte er sich mit den Vorlieben von Demenzerkrankten vertraut und prüfte den Einsatz des Tablett gemeinsam mit professionellen Betreuungsassistentinnen in einer Pflege- und Betreuungseinrichtung. Im Anschluss erstellte er ein Webinar als Anleitung für Pflegepersonal und Angehörige. „Wenn jemand aufgeschlossen ist, bringt einem das Tablett als Materialsammlung eine große Vielseitigkeit. Ein Tablett ist handlicher als ein Laptop und hat ein größeres Display als ein Handy. Die Bedienung ist außerdem sehr intuitiv“, fasst Marcus Heumann die Vorteile des technischen Gerätes zusammen.

Der direkte menschliche Kontakt ist natürlich weiterhin wichtig.  „Wir müssen uns von der Idee verabschieden, dass Technik das Pflegepersonal ersetzt. Pflege hat immer etwas mit Kontakt und Empathie zu tun – und das wird Technik nie gänzlich leisten können“, erklärt Reinhard Fukerider. Jedoch können technische Innovationen den Pflegeberuf vereinfachen und attraktiver machen. „Es geht bei unserem Tablet-Projekt darum, miteinander ins Gespräch zu kommen. Aber wenn jemand gerne Fotos anguckt, blättert man auch weiterhin gemeinsam durch Alben. Die sinnliche Erfahrung von Dingen, der Geruch und die Haptik sind ganz wichtig für das Erinnerungsvermögen von Menschen mit Demenz“, erklärt Helga Reinisch.

Eine App, die aktuell in Zusammenarbeit mit der Hochschule Düsseldorf entwickelt wird, soll die Tablet-Nutzung zusätzlich vereinfachen. Sie bringt einen Grundstock an Materialen mit, geordnet nach den Bereichen Filme, Musik, Geschichten und Bilder, die sich nach Jahreszahlen oder Personen sortieren und durch eigene Inhalte erweitern lassen. Bisher gibt es nur wenige Apps für Demenzerkrankte. „Die Einfachheit der bereits vorhandenen Kinderspiele müsste adaptiert und in einem anderen Design zur Verfügung gestellt werden“, wünscht sich Reinhard Fukerider für die Zukunft.

Auf der Website des Demenz-Servicezentrums OstWestfalenLippe können sich Interessierte über Angebote, Einrichtungen und Veranstaltungen informieren. Ebenfalls gibt es dort das Webinar als Anleitung zum Einsatz von Tablet-PC in der Betreuung von Menschen mit Demenz.

Interview: Marcella Ranft

Ansprechpartner
Marcella Ranft
Projektmanagerin
T 0521 96733-285