1,3 Mio. Euro Förderung für Projektwerkstatt Gesundheit 4.0 und Smart Country Side

Bielefeld. Smart-TV und ein Systemtelefon in jedem Wohnraum, Gebäudetechnik, die über ein KNX-Netz gesteuert wird, über Funk schaltbarer individuell programmierbarer Sonnenschutz, Bewegungsmelder an der Wand hinter dem Bett und im Badezimmer und das alles in einer Einrichtung der Altenhilfe. Birgit Michels-Rieß sieht darin keinen Widerspruch. Im Gegenteil: Vom Einsatz der modernen digitalen Technik, davon ist die Leiterin des Bethel-Seniorenzentrums Breipohls Hof in Bielefeld nach drei Jahren Erfahrung überzeugt, profitieren die Bewohner wie die Mitarbeitenden. Davon hat sich heute NRW-Ministerin Barbara Steffens überzeugt.

Sie ist aus Düsseldorf gekommen, um Förderbescheide über insgesamt rund 1,3 Mio. Euro für die „Projektwerkstatt Gesundheit 4.0“ und für das Projekt „Smart Country Side“ zu überreichen. Beide Projekte waren beim Projektaufruf Regio.NRW erfolgreich und werden mit zahlreichen Partnern im Rahmen des regionalen Handlungskonzepts „OWL 4.0“ umgesetzt.

Maria Frieß ist 87 Jahre alt und eine von 80 vollstationären Bewohnerinnen und Bewohnern der Einrichtung. Lachend sitzt die nach einem Sturz vor zwei Jahren gehbehinderte, aber ansonsten quicklebendige alte Dame in ihrem Sessel. Auf dem Schoß hält sie ein Gerät, mit dem sie jederzeit auf ihrem Fernsehgerät eine Skype-Verbindung zu ihrem Sohn in den USA herstellen kann. Das macht sie, wann immer es möglich ist um ihn zu sehen und mit ihm zu plaudern. Ruft ihr Sohn sie an, so zeigt ihr das der Bildschirm ihres Smart-TV Gerätes, das ständig online ist. „Ich freue mich“, sagt Maria Frieß, dass ich immer mit meinem Sohn sprechen und schauen kann, wie es der Familie geht und sich meine Enkelkinder entwickeln.  

Zwar ist die Internetnutzung der Generation der jetzt älteren Menschen zum Teil noch fremd, berichtet Birgit Michels-Rieß. Aber die Video-Telefonie über Skype werde zum Beispiel sehr geschätzt. Von den Bewohnern, die so am Leben ihrer Freunde und Familien teilhaben können. „Aber“, so die Einrichtungsleiterin, „auch von den Angehörigen, die weiter entfernt wohnen, weil sie so in Verbindung mit ihren Lieben bleiben können. Selbst Menschen mit leichten kognitiven Einschränkungen können Skype gut nutzen, wenn sie dabei unterstützt werden. Dann hilft bei Bedarf unser Pflegepersonal. “

Die Kommunikation zwischen Bewohnern und Personal wird ebenfalls durch moderne Technik unterstützt. Drückt einer der Senioren den Knopf der Rufanlage in seinem Zimmer, so können die Mitarbeitenden das Systemtelefon in dem jeweiligen Zimmer direkt anwählen und Kontakt aufnehmen. Der Bewohner muss dazu nicht einmal den Hörer abnehmen. So können Mitarbeitende, die im Hause unterwegs sind, das Anliegen der Senioren direkt abfragen. „Unsere Bewohner können dann sicher sein, dass ihr Ruf wahrgenommen und nicht etwa vergessen worden ist“, schildert Birgit Michels-Rieß den Benefit ihrer Klienten.

Von anderen Anwendungen der Digitaltechnik profitieren die Bewohner eher indirekt. Zum Beispiel von den Bewegungsmeldern, die mit der Personalrufanlage verbunden werden können. Steht zum Beispiel ein sturzgefährdeter Bewohner aus seinem Bett auf oder kehrt nach einer festgelegten Zeit nicht von der Toilette zurück, so löst das einen Alarm und gegebenenfalls Unterstützung aus. Den Verdacht, diese Art der „assistiven Technologie“ vermindere die persönliche Zuwendung durch die Pflege weist Birgit Michels-Rieß mit einem klaren „nein“ zurück. Sie sorge nur für mehr Sicherheit. So ein Bewegungsmelder werde ohnehin nur bei 4 bis fünf Bewohnern gleichzeitig aktiviert. „Wir fragen uns immer, ob die Maßnahme notwendig ist oder nicht. Wenn die Gangsicherheit wiederhergestellt ist, wird der Melder abgeschaltet. Der gibt bis dahin auch den Pflegekräften mehr Sicherheit“, berichtet Michels-Rieß. Denn wenn die Nachtwache wisse, wann der Bewohner aufstehe und sich womöglich selbst gefährde, müsse sie nicht permanent in Alarmstimmung sein. „So führt diese Form des Technikeinsatzes auch zur Entlastung der Mitarbeitenden, die ihrer Arbeit ruhiger und konzentrierter nachgehen können“, sagt Michels-Rieß.

Weil das Seniorenzentrum Breipohls Hof gleichzeitig mit Betten ausgestattet ist, die sich von ergonomisch günstigen 80 cm Höhe fast bis auf den Boden absenken lassen, Toiletten mit einem Dusch-WC-Aufsatz anbietet, der bei der sehr intimen Tätigkeit der Reinigung technische Hilfe statt dabei eher nicht gewünschter menschlicher Unterstützung bietet und an trüben Tagen mit einer das Tageslicht simulierenden Decke die Stimmung der Bewohner verbessern kann, zählt das Seniorenzentrum Breipohls Hof zu den modernsten Einrichtungen dieser Art in NRW. „Alte Menschen und Technik, das passt nicht zusammen: Diese Barriere wollen wir einreißen“, umreißt Michels-Rieß das Projekt Breipohls Hof. Ihr Ziel: Wir sammeln Erfahrungen, die dazu beitragen, dass Menschen in ihrer häuslichen Umgebung bleiben können.“

Maria Frieß (87) skypt gerne und häufig mit ihrem Sohn und seiner Familie, die in den USA lebt. Das moderne Kommunikationsmittel lässt sie am Leben ihrer Kinder und Enkelkinder teilhaben.

 

Birgit Michels-Rieß leitet das Bethel-Seniorenzentrum Breipohls Hof, in dem rund 60 Mitarbeitende 80 vollstationär wohnende Senioren versorgen.

Ansprechpartner
Uwe Borchers
Geschäftsführer ZIG OWL e.V.
T 0521 329860-12