Umfrage zur auslaufenden EEG-Förderung von PV-Anlagen

Im Forschungsprojekt „Klimaschutz, Energie und Bauen im Industrie 4.0 Umfeld“ setzt sich das Institut ITES an der FH Bielefeld mit der Frage auseinander, wie es mit der Energiewende in Deutschland weitergeht.

Mit dem 01.01.2021 rückt ein wichtiges Datum für den weiteren Verlauf des Übergangs zu einer nachhaltigen Energieversorgung näher. An diesem Tag endet für die ersten Photovoltaikanlagen der Zeitraum mit einer festen Einspeisevergütung für ihre Stromerzeugnisse. Voraussichtlich werden viele dieser Anlagen nach Ablauf der 20 Förderjahre noch funktionsfähig sein. Dieser Umstand wirft die Frage auf, was mit den vielen tausend Anlagen geschieht, die ab 2021 jährlich aus der Förderung fallen. Dafür wurde im Rahmen des Projekts eine Online-Befragung von Betreibern älterer Photovoltaikanlagen durchgeführt, die ein Stimmungsbild als Ausgangsbasis für weitere Forschungsvorhaben in den Themenbereichen Photovoltaik und Eigenverbrauchssteigerung durch flexibilisierte Verbraucher im Haushalt geliefert hat.

Die Umfrage wurde von einer studentischen Projektgruppe im Studiengang Regenerative Energien vorbereitet und ausgewertet. Dabei wurden insgesamt 132 Betreiber älterer PV‑Anlagen (Installationsjahr bis 2007) zu ihren Zukunftsplänen befragt. Die Teilnehmer dieser Online-Befragung  wurden überwiegend über die Newsletter der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) und des Solarenergiefördervereins (SFV) erreicht. Mit einer durchschnittlichen Spitzenleistung von 8,4 kWp und einem mittleren Alter der Anlage von ca. 15 Jahre wurden vor allem Betreiber von in die Jahre gekommenen Kleinanlagen befragt.

Mit der Nutzung der Anlage für den Eigenverbrauch, der Direktvermarktung der Stromerzeugnisse über einen Dienstleister und dem Rückbau der Anlage wurden den Teilnehmern der Online-Umfrage ihre grundlegenden Optionen für die Zeit nach der Förderung vorgestellt. Dabei wurden den Befragten auch die groben Rahmenbedingungen für die unterschiedlichen Möglichkeiten vorgestellt, die zugunsten einer akzeptablen Bearbeitungsdauer stark heruntergebrochen wurden.

In einem Informationsblock wurden die Teilnehmer über die wesentlichen Rahmenbedingungen zu diesen Optionen nach heutigem Wissensstand informiert.  Daraufhin haben sie eine Einschätzung darüber abgegeben, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie sich nach dem Ablauf der Förderung für die einzelnen Optionen entscheiden. Mit 64 % hält es die Mehrheit der Befragten für sehr wahrscheinlich, ihre in die Jahre gekommene Photovoltaikanlage mit einem Einspeisezähler oder einem Zweirichtungszähler nachzurüsten und für den Eigenverbrauch weiter zu nutzen. Die förderunabhängige Direktvermarktung über einen Dienstleister kann sich hingegen nur etwa jeder zweite Anlagenbetreiber vorstellen. Insbesondere Betreiber von kleineren Anlagen bis 10 kWp halten diese Option mehrheitlich für unwahrscheinlich oder schließen es sogar gänzlich aus. Das ist vor allem auf die geringen Erwartungen bezüglich der Stromverkaufserlöse zurückzuführen, welche die Kosten für notwendige technische Nachrüstungen und für den laufenden Betrieb nicht rechtfertigen. Auf der anderen Seite können sich nur 10 % der befragten Betreiber vorstellen, ihre PV-Anlage unmittelbar nach Ablauf der Förderung zurückzubauen.

Im Hinblick auf die weitere Nutzung der Photovoltaikanlagen nach Ablauf der Förderung wollten die Studierenden der FH Bielefeld zudem die Bereitschaft der Betreiber für Maßnahmen zur Steigerung ihres Eigenverbrauchs erörtern. Mit 51 % gab mehr als jeder Zweite Teilnehmer an, grundsätzlich bereit zu sein, sein Verbrauchsverhalten zugunsten eines höheren Eigenverbrauchs anzupassen.

Das Lastverschiebepotential für Haushaltskunden wird auf Basis von Studien und Feldtests zu Smart Grids allerdings nur auf ca. 8 % bis 10 % geschätzt[1], sodass der Handlungsspielraum für die meisten Betreiber vermeintlich klein ist. Die Möglichkeit zur zeitlichen Verlagerung des Stromverbrauchs von Haushalt zu Haushalt variieren allerdings stark in Abhängigkeit von Haushaltsgröße, Haushaltszusammensetzung und zahlreichen weiteren Faktoren, sodass der genannte Zahlenwert in diesem Kontext nur als grober Richtwert zu verstehen ist. Nennenswerte Steigerungen könnten demnach für die meisten Anlagenbetreiber nur durch technische Zusatzeinrichtungen wie Zeitschaltuhren, Energiemanagementsysteme oder Batteriespeicher erreicht werden. Insgesamt zeigten sich 84,9 % der Befragten zur Nutzung derartiger Systeme zwecks Eigenverbrauchssteigerung bereit. Die meisten würden Steuerungen nutzen, um den Betrieb stromintensiver Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen, Geschirrspüler und Trockner in Zeiten mit verfügbarer Solarenergie vom eigenen Hausdach zu verlagern.

Zusammenfassend hat die Befragungsaktion in erster Linie gezeigt, dass eine große Mehrheit der befragten Photovoltaik-Pioniere ihre Anlage nach dem Ablauf der Förderung weiter betreiben möchte und ein hohes Maß an Eigeninitiative signalisiert, um die Stromerträge weiterhin sinnvoll zu nutzen. Durch die starke Konzentration der Rückläufer auf aktive Leser von Newslettern umweltpolitischer Vereine kann eine Auswahlverzerrung allerdings nicht ausgeschlossen werden, sodass die Ergebnisse nicht uneingeschränkt auf die Gesamtheit aller Betreiber älterer Anlagen übertragen werden können. Aufgrund der klaren Tendenz betrachten die Ingenieurinnen und Ingenieure des Institut ITES der FH Bielefeld die Umfrageergebnisse dennoch als Auftrag, weiter an technischen Lösungen zur besseren Integration von volatilem Solarstrom in Wohngebäuden zu forschen. Außerdem sind Energieversorger und Politiker gefragt, die erforderlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, um diese Anlagen vor der vorzeitigen Verschrottung zu bewahren.


[1] BDEW: Metastudie Smart Grid – Forschungsüberblick Intelligente Stromnetze, Berlin 2016

Autoren: Matthias Rogalla von Bieberstein, Hendrik Vahrson, Alexander Gossen, Eva Schwenzfeier-Hellkamp

Ansprechpartner
Matthias Rogalla von Bieberstein
FH Bielefeld, Forschungsschwerpunkt ITES, Wissenschaftlicher Mitarbeiter
T 0521 106 70331