"Für eine Welt in der es noch vieles zu lernen gibt – raus aus der Arbeit 4.0 Bubble!" (Malte Mayer)

Im Zuge der Digitalisierung verändert sich die Art und Weise des Arbeitens. In die Prozesse der Veränderung sollten möglichst viele Akteure einbezogen werden.

Digitalisierung Arbeit 4.0 New Work

Beschäftigt man sich mit den Veränderungen im Zuge der Digitalisierung, dann ist einiges klar. So werden sich die Prozesse des Zusammenarbeitens massiv verändern. Im Zuge dessen rücken Kooperation und Teamarbeit in den Mittelpunkt. Die immer komplexer werdenden Anforderungen können nur zum Teil durch Technologie kompensiert werden. Zur Bewältigung unberechenbarer und in immer kürzeren Abständen auftauchender Veränderungen bedarf es menschlichen Handelns: „Die Währung der Zukunft heißt Agilität.“[i]

Pioniere aus #NewWork Kreisen fragen sich zu Recht: „Wo ist sie, die neue Arbeitswelt?“[ii] Für sie ist längst klar, dass sich vieles ändert. Sie gehen davon aus, dass sich mit einem Kulturwandel einhergehend mit nachrückenden Generationen sowie durch die Prozesse der Globalisierung und Digitalisierung die Arbeitswelt der Zukunft rapide verändert. Basierend auf Selbstständigkeit, Freiheit und Teilhabe an der Gemeinschaft wird das Ziel lauten, die Handlungsfreiheit der Einzelnen zu stärken.[iii]

Umso mehr erstaunt es auf diejenigen zu treffen, die offenkundig völlig überrascht sind das erste Mal zu hören, dass die alten Führungsstrukturen in Zukunft durch agile Teams abgelöst werden, dass Beschäftigte in Zukunft eigenständige Entscheidungen treffen sollen. Wie kann es sein, dass auf der einen Seite einige die Zukunft der Arbeit schon eingetütet haben, während andere noch von der einen Verblüffung in die nächste stolpern?

Dieses Problem fängt da an, wo sogenannte Filterblasen entstehen. Das Internet, wie wir es heute kennen, weiß vieles über uns. Von Online-Portalen über Suchmaschinen bis hin zu Sozialen Netzwerken werden die Inhalte, die wir sehen, auf uns als individuelle Nutzerinnen und Nutzer zugeschnitten. Mit Hilfe von Algorithmen werden individuelle Profile erstellt und auf Basis dessen Inhalte angezeigt, welche den Ansichten der jeweiligen Personen entsprechen. Das ist das grundsätzliche Problem der sogenannten Filterblase.[iv]

Ähnliches lässt sich wohl auch für die Offline-Welt behaupten. Menschen mit ähnlichen Ansichten finden sich zusammen, man weiß was man an den anderen hat. Zynisch ließe sich sagen: Wir leben in einer „Welt in der es nichts mehr zu lernen gibt".[v] Das Ganze kann schlecht ausgehen. Die Geschichte ist voll von Fehlentscheidungen, die kleine Gruppen ähnlich denkender Menschen getroffen haben.[vi] Das Gute ist allerdings: Alles kann anders werden!

Doch wie kann es besser funktionieren? Der Weg kann und muss lauten „Raus aus der Arbeit 4.0 Bubble!“ Wie so etwas gelingen kann wusste schon Sokrates – lange bevor es Twitter-Bubbles gab. Anstatt im philosophischen Elfenbeinturm zu verharren, nutzte er den Tag für ausgiebige Spaziergänge durch Athen. Er führte philosophische Gespräche mit den Leuten auf der Straße. Dies half sowohl dabei auf neue Gedanken zu kommen, die Meinungen anderer Leute zu erfahren, als auch permanent den eigenen Standpunkt zu reflektieren. Der Austausch mit Menschen, welche andere Ansichten vertreten, ist zentral, um erfinderisch zu sein und neues zu entwickeln.

Durch das bewusste Zusammenführen verschiedener Akteure zu einem gemeinsamen Dialog über das Thema Zukunft der Arbeit kann eine Schärfung des Diskurses erfolgen und ein neues Ganzes entstehen. Dies kann nur gelingen, indem man gegenteilige Ansichten zulässt. Indem man im wahrsten Sinne des Wortes raus geht, zuhört und versteht was die Bedürfnisse der Anderen sind.

Allein innerhalb eines Unternehmens bietet sich ungeahnte und simple Möglichkeiten. Hier kommen neue Erkenntnisse häufig auf ganz ungewöhnliche Weise zustande. Setzen Sie sich in Ihrer Mittagspause doch einmal zu Beschäftigten Ihres Unternehmens, mit denen Sie noch nie gesprochen haben oder unterhalten Sie sich bei einem kurzen Kaffee mit Ihren Azubis. In Schweden weiß man schon lange, dass bei kurzen Kaffeepausen – genannt Fikas – wichtige Erkenntnisse zutage kommen. Hier treffen sich Kolleginnen und Kollegen mit ihren Führungskräften auf einen Kaffee im Pausenraum, um in lockerer Atmosphäre sowohl privates als auch geschäftliches zu besprechen. Wenn man auf diese Weise offen für neues ist kommen innovative Ideen häufig beiläufig von ganz alleine.

Auch über das Unternehmen hinaus kann eine lebendige und bereichernde Diskussion nur dann gelingen, wenn die Hintergründe der Teilnehmenden möglichst divers sind. Durch Einbezug der verschiedensten Perspektiven von Beschäftigten, Arbeitgebern, Gewerkschaften, Interessensvertretungen und Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Wissenschaft kann eine monotone Filterblase Arbeit 4.0 verhindert werden. Einen Beitrag zu einer solchen ausgewogenen Diskussion leisten wir im Projekt „Arbeit 4.0 – Lösungen für die Arbeitswelt der Zukunft“. Mit Expertise aus den verschiedensten Bereichen und mit breit gestreuten Kontakten tragen wir das Thema Arbeit 4.0 seit über 2 Jahren mit Erfolg in die Region. Für eine Welt in der es noch vieles zu lernen gibt!



 

[i] Jörg Rosenberger, in einem Vortrag am 12. Juni 2018

[ii] systematischkaffeetrinken.de/2014/10/11/new-work-award-wo-ist-sie-die-neue-arbeitswelt/

[iii] startplatz.de/die-5-wichtigsten-begriffe-zum-thema-new-work/

[iv] Eli Pariser (2011): The Filter Bubble: What The Internet Is Hiding From You

[v] Eli Pariser (2011): "Invisible sieve: Hidden, specially for you". The Economist. 30 Juni 2011.

[vi] Christoph Behrens (2016): „Der Mythos von der Filterblase“. Sueddeutsche.de. 28. November 2016

Ansprechpartner
Malte Mayer, OWL MASCHINENBAU e. V., Bielefeld
Malte Mayer
OWL MASCHINENBAU e. V., Projektleiter Arbeit 4.0
T 0521 988775-14